Du fragst dich vielleicht …

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Warum es funktioniert

Die Natur lässt so ein wichtiges Thema wie Ausscheidung nicht aus, sondern im Gegenteil: sie siedelt es bereits in der ersten Phase nach der Geburt an und hat dafür einen sehr alten Teil unserer Gehirnstruktur vorgesehen. Mutter (Bezugspersonen) und Kind haben gemeinsam ein Zeitfenster, um die Kommunikation zu regeln, damit das Baby sauber und angekündigt ausscheiden kann.   nach oben

 

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Ich traue mich einfach nicht …

Dieses Argument höre ich am meisten. In meinen Vorträgen bringe ich die Leichtigkeit und den Spaß zum Ausdruck, mit dem du genau für dein Baby oder Kleinkind sorgen kannst, ohne ihm unliebsame Windeln umbinden zu müssen. Einmal beobachtet, kann man dem „Zauber“ des Abhaltens nicht mehr widerstehen. Es ist so simpel, bringt so schnelle Erfolge und lässt so viel Kompliziertes einfach zurück. Mach´s einfach.   nach oben

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Ich bekomme Zwillinge. Da geht das vielleicht nicht.

Mit Zwillingen ist der Einspareffekt sicher am allergrößten. Vor allem das Kinderweinen, das an deinen Nerven zehrt, wird deutlich reduziert. Zwei ausgeglichene Kinder, stell dir das mal vor, und du mit dieser Eleganz. Dazu jede Menge Zeit und Geld eingespart, wow! Deine beiden werden sich gegenseitig nachahmen, sie erinnern sich beide an den „eingebauten Bauplan“, das mitgebrachte „Wissen“, wie es geht ohne Windeln.  nach oben

Ein Kind zu haben macht dich zum Elternteil; mit zwei Kindern wirst du zum Schiedsrichter.   (David Frost)

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Und die Nächte?

Sind als erstes sicher. Bereits nach 2 (in Worten: zwei) Monaten sind die Nächte trocken. Zumindest für die Eltern mit den besten Windeln – das sind gar keine – und die Eltern mit den zweitbesten Windeln, die sind aus Stoff.

Es gibt ein Hormon, das nachts ausgeschüttet wird, welches dafür sorgt, dass die Blase nicht weiter befüllt wird und wir ungestört Nachtruhe halten können. Leider funktioniert das offenbar nicht mit Wegwerfwindeln, die „unterstützen diesen Service nicht“, daher tragen die Kinder heutzutage nachts noch Windeln über viele Jahre. Leider und unnötigerweise, es stellt sich nicht einmal ein (positiver) Lerneffekt ein.   nach oben

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Was hast Du von windelfrei?

Zu jeder Zeit ein sauberes Kind. Mehr Zeit, mehr Geld, viel weniger Kinderweinen, kaum Ballast, keinen Windelabfall, keinen wunden Kinderpopo. Das Kind ist viel schöner ohne dicken Windelpopo, an den wir uns schon so gewöhnt haben. Schmaler Popo, dafür hast du ein motorisch geschicktes, ausgeglichenes Kind.

Du erfüllt das dringende Bedürfnis deines Kindes und danach geht ihr beide glücklich euren weiteren Tagesgeschäften nach. Nichts kann schneller und sauberer sein, als sein Kind „abzuhalten“, wenn es mal muss.

Du tust enorm viel für die Umwelt, jede einzelne Windel weniger zählt. Wir könnten auch sagen: jede einzelne Windel fällt ins Gewicht, wenn nach 3 Jahren etwa 1 bis 2,5 Tonnen Windelabfall zusammenkommen!

Und solltest du ein Wickelkind haben und jetzt ein windelfreies Baby dazu, dann darfst du dich darauf freuen, dass das „Große“ es dem windelfreien Baby rasch nachahmen wird, sprich schnell auf die unangenehmen Windeln verzichtet. Jetzt kennt es eine Alternative, sehen und nachahmen. Vielleicht hast du noch gar nicht an diese Reihenfolge gedacht …     nach oben

 

If evolution really works, how come mothers only have two hands?   (Milton Berle)

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Wieso hat man noch nie von windelfrei gehört?

Es gibt schon jahrelang Bücher darüber, was fast überall auf der Welt praktiziert wird: Windelfrei.  Wenn das Baby mal „muss“, wird es abgehalten. Da verwundert es wirklich, dass nur 20% der Babys weltweit überhaupt Windeln tragen und in ihrer Umgebung das Wissen um die Kommunikation mit dem Baby verlorengegangen ist. Für die Windelindustrie ist das Geschäft lukrativ.

Noch 2015 habe ich in Gesprächen immer nur gehört: „Von Windelfrei habe ich noch nie gehört.“ Das hat sich bereits geändert. Seit 2016/2017 höre ich ab und zu schon: „Ich habe davon gehört, doch ich habe mich nicht getraut.“ Wer schon größere Kinder hat, von dem höre ich immer wieder: „Das hätte ich gern vor … Jahren gewusst, das hätte ich sofort gemacht!“  

Und aus einem anderen Grund hat man nicht davon gehört: es ist das Selbverständlichste in einem Großteil der Welt, es gibt kaum Begriffe dafür, aber die Handhabung ist jedem bekannt, der es nur in seiner Umgebung gesehen hat und erlebt hat. Begriffe wie „windelfrei“ oder natürliche Säuglingspflege (Betonung auf natürliche!), Abhalten (die Position) lernen wir erst kennen.

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Und wenn du nicht zu Hause bist, wenn dein Kind unterwegs das „Signal“ gibt?

Tragetuch/Autositz/Fahrradsitz/Kraxe – das alles will das Baby nicht „beschmutzen“, daher wirst du diese nützlichen Alltagsdinge gern weiterhin benützen, und nach einem „Zwischenstopp“ für´s kleine oder große Geschäft auch deine normale Beschäftigung oder Fahrt fortsetzen.

Unterwegs gibt´s immer Toiletten oder Gelegenheiten im Freien, um das Kind abzuhalten. Ob auf der Champs Élysées, im ICE, im Flugzeug, bei Freunden, im Restaurant – das alles stellt kein Problem dar. Und dass das Kind seine gute Laune behält, ist unbezahlbar.   nach oben

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Wie lange hält es mein Baby oder Kleinkind aus, wenn es mal muss?

Natürlich suchst du die nächstgelegene Möglichkeit zum Abhalten auf!

Doch raus aus dem Tragetuch, Baby-Safe, Kinderwagen, rein in die Restaurant-Toilette, zu Hause angelangen – das alles braucht ein bisschen Zeit, und das Kleine „rechnet“ ehrlich gesagt auch damit, erst irgendwo hingetragen zu werden. Wichtigster Grundsatz: du sprichst mit deinem Kind, sagst ihm klar, dass du sein Bedürfnis verstanden hast und auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit bist. Beispiel: Parkplatzsuche, wenn dein Baby hinter dir im Baby-Safe Sprachsignale nach vorne sendet. Das Baby vertraut darauf, in absehbarer Zeit abgehalten zu werden und wartet geduldig. 10-20 Minuten sind das schon mal.

Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht.  (aus Irland)

Anekdote: Es ist mir völlig versehentlich auch mal passiert, dass mir mein Baby (5 Monate) sein Bedürfnis angesagt hat, doch erst habe ich keine Parkmöglichkeit gefunden und dann habe ich es vergessen. Es hat sich ergeben, dass wir zu Hause angekommen sind, und mein Sohn schon 30 Minuten darauf gewartet hat, sich zu erleichtern. Er hat es zu Hause nochmal angemeldet, diesmal dringlicher, doch mein Baby hat „dichtgehalten“. Ich würde mein Kind nicht auf die Probe stellen, doch mit 10-20 Minuten liegst du sicher auf der realistischen und babyfreundlichen Seite. Bedenke, dass du selbst dein Bedürfnis auch spürst und dir diese Zeit auch locker zugestehen kannst (vom ersten Spüren des Bedürfnisses an).

Ich habe festgestellt, dass auch Babys ihr Bedürfnis wie wir Erwachsenen „wegklicken“ können, wenn „es gerade nicht passt.“ Wenn die Mutter unruhig und eilig irgendwohin strebt, dürfte es dem Baby vorkommen wie eine Gefahr, die es noch nicht erkennen kann, doch die Mutter hat die Lage bestimmt im Blick. Es ist, als ob der Säbelzahntiger irgendwo lauern könnte. Da unterdrückt jeder sein Bedürfnis, um nicht im falschen Moment am Gebüsch zu stehen.  🙂 Das Bedürfnis meldet sich später – in einer „gesicherten“ Situation – wieder, diesmal dringender.

Übrigens wollen auch Babys nicht gern eine Toilette benutzen, die für sie inakzeptabel ist. Jetzt nicken viele von uns verständnisvoll ! …

Es ist uns im Flugzeug und im ICE passiert, dass der Einjährige sein Bedürfnis drei-, vier Mal zurückgehalten hat, nachdem er die dortigen Toiletten gesehen hat. Vermutlich hat er die silbernen Toilettenschüsseln nicht als solche erkannt und der unangenehme Geruch hat ihn gestört. Vielleicht hat er sich auch gedacht, dass stille Örtchen niemals so wackeln sollten. Ich habe das einfach akzeptiert und ihn jedes Mal wieder zu unserem Sitz zurückgebracht, und wenn er wieder „wollte“ habe ich ihn wieder zur Toilette geführt. Nach längerer Zeit, mal 45 Minuten, mal 60 Minuten, war der Druck so groß, dass er seine Hemmungen überwinden konnte, Ästhetik hin oder her. Die Mutter oder die Bezugspersonen sind für das Kind auch ein Ort des Vertrauens.   nach oben

Sehen ist anders als erzählt bekommen.  (aus Kenia)

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Wie es geht – das Abhalten

Ich habe festgestellt, dass Sehen hier Verstehen bedeutet. Wer das ein oder wenige Male gesehen hat, der kann sich dem Zauber nicht mehr entziehen, den das Abhalten hat. „Darf ich auch mal?“ Ich persönlich vermute, dass wir durch den Anblick wieder mit dem alten Wissen in Kontakt kommen, das wir doch immer noch in uns tragen. Für mich war es so: einen Moment lang  bleibt die Zeit stehen und alles fühlt sich richtig an. Das Baby wird (beispielsweise) auf die Toilette „gesetzt“, indem es mit dem Rücken an den Bauch/die Brust der Mutter angelehnt ist. Der Popo rutscht tiefer, damit ist eine natürliche Ausscheidungsposition erreicht. Abhalten bedeutet viel weniger „Arbeit“ als Wickeln.

Wie „sitzt“ ein junges Baby denn auf der Toilette?

Entweder sitzt die Mutter auf der Toilette ganz hinten und hat das Baby vor sich. Oder die Mutter geht vor der Toilette sportlich in die Hocke oder auf die Knie und hält das Baby vor sich „verkehrt herum“ auf der Toilette, so dass die Füßchen hinten am Toilettenrand aufgestellt sind. Du könntest auch irgendeine Schüssel hernehmen oder ein Töpfchen, damit dein Kind dort hinein machen kann. Ich gebe aber ehrlich zu, die Schüssel fand ich aufwändiger als die Toilettenbenutzung. (Triffst du sicher rein, leerst du gern das Töpfchen…) Selbst bei Nacht fand ich es nicht schwer, die Toilette aufzusuchen. Im Freien hältst du dein Kleines ab, indem du es unter den Oberschenkeln fasst und den Popo tiefer rutschen lässt. Bei Jungs den Penis nach unten halten, um zu steuern. 🙂

Das Baby spart sich die wertvolle Energie, die es für das Strampeln und Schreien aufbringen müsste (Steigerung von leichter Unruhe bis zu schrillem Schreien, um sein Bedürfnis klar zu machen.)

Das Baby kann einhalten, den Schließmuskel ziehen, und findet es beruhigend, wenn du ihm klar sagst, dass ihr bereits den passenden Ort sucht und gleich habt. Selbst wenn es von der Parkplatzsuche nichts versteht, dein Tonfall kommt jedenfalls an.   nach oben

Wenn du einen Jungen erziehst, erschaffst du einen Mann. Wenn du ein Mädchen erziehst, erschaffst du ein Volk.  (aus Ghana)

 

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Was hat mein Baby oder Kleinkind an, wenn keine Windel?

Unglaublicherweise gibt es Unterhöschen ab Größe 62 zu kaufen, wenn auch nicht in jedem Fachgeschäft. Und du wirst erstaunt sein, wie lange du die Hosen darüber noch anziehen kannst. Wenn keine Windel darin steckt, passen die Hosen deinem Kind richtig, richtig lange.

Kannst du dir denken, dass Unterhöschen nicht „dicht“ machen müssen wie man es von Windeln erwartet? Sie sind luftig, aus purer Baumwolle, niedlich bedruckt, angenehm. Sie sind Kleidung und Schmuckstück, das Kind spürt sich darin ganz und gar. Weil sie viel „luftiger“ und „dünner“ sind als jegliche Windeln, geben sie dem Baby oder Kleinkind sein „Gefühl“ wieder zurück.

Bitte denke nicht, Unterhöschen wären sofort erforderlich. „Windelfrei“ bedeutet konsumfrei. Du brauchst nichts kaufen!!

Anfangs hast oder willst du keine Unterhöschen, also ist dein Kind der Jahreszeit entsprechend gekleidet und hat schlicht nichts drunter. Beispielsweise nichts unter der Radlerhose oder nichts unter dem Body. Das Kind ist als Erkennungsmerkmal ganz „schmal“ am Popo. Sitzt es bei dir auf dem Schoß, merkst du, wieviel schöner sich ein Kind ohne Windelpo anfühlt. Tipp: Es würde dich nie, niemals nass machen oder beschmutzen, wenn es auf deinem Schoß sitzt, auch keine andere Person. In meinem Vortrag spreche ich die feinen Regeln an, nach denen das Baby vorgeht und wie du diese erkennen und in den Alltag miteinbeziehen kannst. Das ist wirklich einfach und hilft dir weiter.

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Windelfrei mit Windeln ? Habe ich mich da verhört ?!

Bevor du dich gar nicht traust, auf die Signale deines Kindes zu hören aus Angst vor was auch immer, könntest du genauso gut die Windel ausziehen, wenn dein Kind mal will, und ihm dieselbe Windel danach wieder anziehen. Das Bedürfnis ist erfüllt, nur dass du statt Unterhöschen eine Version mit Netz und doppeltem Boden wählst. Stelle dir vor, die (Wegwerf-)Windel wird erst nach unzähligen Malen Benutzung weggeworfen, einfach weil sie auseinanderfällt, nicht weil sie voll wäre.

Doch schon bald, nach wenigen Wochen, wird dir dein Kind klarmachen, dass du die Windel besser weglässt, selbst wenn sie trocken bleibt. Damit macht es dir unmissverständlich klar, dass kein Mensch, egal welchen Alters, Windeln tragen will. Versteh dein Kind richtig und klebe nicht selbst an den Windeln fest. 🙂 Das Kind ist nicht „undicht“, das Kind spürt sehr wohl sein Bedürfnis, das brauchen wir gar nicht erst anzuzweifeln.

Der Name deines Projekts lautet „windelfrei“ und ist zum Wohle deines Kindes, also zieh dem Kind die Windeln nicht mehr an, wenn es Widerstand dagegen zeigt.   nach oben

Manchmal erweist sich der kleinste Schritt in die richtige Richtung als der größte Schritt deines Lebens.  (Emma Stone)

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Teilzeit-Windelfrei

Bevor du dich gar nicht auf windelfrei einlassen möchtest, weil du meinst, es gibt nur alles oder nichts, möchte ich dich ermutigen, in deinem persönlichen Alltag und Umfeld nach den Gelegenheiten zu suchen, in denen du windelfrei integrieren kannst. Morgens? Abends? Wochenende? Jeder Treffer ist überwältigend, jede nicht benötigte Windel ist es wert. Und die Kinder? Wenn sie erst einmal für sich entdecken durften, welche neue Möglichkeit sie haben, „bestehen“ oder warten die Babys schon darauf, „weiterzulernen“. Sie wissen intuitiv, dass diese Richtung die richtige ist.

Kannst du dir etwas Leichteres vorstellen, als die Nächte und Schlafzeiten ohne Windeln zu haben, weil das Kind sowieso als Erstes während des Schlafs trocken bleibt? Das erleichtert dir vieles. Wer mit Stoffwindeln wickelt, entdeckt dieses Phänomen schon beim Baby mit 8 Wochen. Naturvölker legen als Erstes Wert auf die trockene Nacht. Es sind die Wegwerfwindeln, die keine trockenen Nächte zulassen.  nach oben

Was Sie als gewöhnlichen Zufall abtun, ist vielleicht die Gelegenheit zu einem außergewöhnlichen Abenteuer.   (Deepak Chopra)

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Ich habe noch nie gehört, dass Babys „reinlich“ sind

Aber gesehen hast du es schon oft. Sie spreizen die nackten Beine, bevor sie vom Badvorleger oder Wickeltisch herunter in hohem Bogen alles treffen – nur nicht sich selbst.   nach oben

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Gibt es Faktoren, die die Zuverlässigkeit begünstigen können?

  • Ja. Viel (Haut-)kontakt ist förderlich, Baby auf dem Arm, im Tragetuch, Ansprache. Was du in dein Baby investierst, wirst du vielfach zurückerhalten.
  • Die Ruhe der Mutter oder der Bezugspersonen. Wer in sich ruht, nimmt früher die Botschaften seines Kindes wahr. Manchmal wird einem bewusst, dass man gerade nicht für die Signale des Kindes zugänglich war, weil der Kopf so beschäftigt war. Das ist normal.
  • Teile dein Wissen gern mit deiner Umgebung: deine vertraute Familie und wohlwollende Freundinnen werden dir eine Bereicherung sein, weil manch einer von denen dir beim Lesen der Signale hilfreich sein wird – und manchmal zuvor kommt! Mehr Augen sehen mehr, mehr Ohren hören mehr heraus …
  • Evtl. ist die Zuverlässigkeit begünstigt, je früher in den ersten 3 Monaten mit windelfrei begonnen werden konnte. Doch ich selber habe auch erst 2 ½ Monate nach der Geburt begonnen, gleich nachdem ich darauf aufmerksam wurde. Hat wunderbar geklappt. Nach dem Auswerten der Literatur zu diesem Thema kann ich sagen: es ist egal, wann du von Windelfrei gehört hast und damit beginnst. Ob innerhalb der ersten drei Monate oder nach 1 1/2 Jahren, das Baby macht mit und dankt es dir.
  • Kleine Pannen dürfen nicht überbewertet werden, denn auf mehrere Monate gesehen sind sie verschwindend gering im Vergleich zu den Erfolgen im großen Stil. Mach keine große Sache daraus, schon bald sind das wenige, niedliche Erinnerungen. Denk daran, das Baby experimentiert und lernt dabei. „Pannen“ begegnest du etwa mit dem gelassenen Satz: “Oh. Da habe ich wohl etwas übersehen.“ Am besten, du hast ihn (oder Vergleichbares) parat.
  • Ist dir klar, dass sogar mit Windeln „Pannen“ passieren? Bloß gibt es da keinen Lerneffekt, schade. Wenn ohne Windel mal was „daneben geht“, lernt dein Kind jedes Mal dazu, sei es als winziges Baby oder als größeres Wickelkind. Und darauf läuft´s doch hinaus.  nach oben

Spielen Sie mit einem Kind. Kinder sind unsere größten Lehrer.  (Cheryl Richardson)

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Was überflüssig wird

  • Alles, was mit „Wickel-“ beginnt (außer deinem schönen Wickelrock) (-Kommode, – Auflage, -Tasche).
  • Bei den Windeln alles, von der Anschaffung bis zum naserümpfenden Entsorgen
  • Feuchttücher, Popocreme (letztere wird annähernd unberührt bleiben)
  • Weinen wegen des wunden Popos, wegen des Wickeltheaters, Babys Abwehrhaltung
  • dass du unterwegs bist und dein Kind plötzlich mit nichts mehr zufrieden ist und du ratlos heimeilen musst.
  • Schwimmwindeln – werden ersetzt durch süße Badehöschen (das Baby kündigt sein Bedürfnis logischerweise auch im Schwimmbad an)   nach oben

Der Windeleimer braucht übrigens auch eine andere Verwendung …

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Kann ich immer einsteigen?

Nach allem, was ich selbst gesehen, gelesen  und erfahren habe, empfehle ich ganz klar: es ist ganz egal, wie alt dein Kind ist, jetzt ist der beste Zeitpunkt, die Windeln ausklingen zu lassen. Stell dir mal vor, du würdest es erst in einem Jahr machen, wäre der Zeitpunkt da passender, hättest du da etwa mehr Geduld und Gelassenheit als genau jetzt? Wir kennen die Antwort: wahrscheinlich nicht, doch die Gewöhnung des Kindes an Windeln ist um ein Jahr vorangeschritten, was alle Beteiligten etwas mehr an den Windeln „kleben“ lässt. Oft genug kennt man nicht einmal eine Alternative zu Windeln …

Natürlich wäre es schön, innerhalb der ersten drei Lebensmonate mit windelfrei zu beginnen, andere Quellen beziehen sich auf die ersten 6 Monate. Aber vielleicht gut zu wissen, dass das Baby mit sagen wir 1 Jahr immer noch recht nahe an seiner Geburt ist –  verglichen mit 3 Jahren. Als Baby und Kleinkind kennt man noch den „Bauplan“, den die Natur einem auf die Festplatte geschrieben hat und trägt seinen Teil zur Erfüllung bei.

Mit 1 1/2 bis 2 Jahren (so „früh“) will das Kleinkind seine Windeln noch einmal von selbst ablegen. Alles zeitlich davor ist Wickeltheater, daran hat man sich als Eltern schon allzusehr gewöhnt, doch die Aussage hinter dem Theaterstück bleibt glasklar. Zu dieser Zeit hat sich vieles „drumherum“ schon so herrlich eingespielt, dass man leicht verpasst, dass das Kind gerade einen erneuten Versuch unternimmt.

Und was ist mit der Zeit nach der Kleinkindzeit? Alles herrlich eingespielt? Immer noch keinen „Zeitpunkt“ gefunden, z. B. nachts oder für das große Geschäft? Was war die ganze Zeit über mit dem Wickeltheater, mal mehr – mal weniger? Ich würde auch hier von „Startsignalen“ sprechen, die du zum Anlass nehmen kannst, um die Windeln loszuwerden. Wie zuvor gilt auch hier, länger warten hat es bisher nicht einfacher gemacht. Sprachlich sind die Kinder jetzt längst soweit, sich auszudrücken, doch es fehlen die konkreten Erfahrungen, die Verknüpfungen im Kopf. Bedenke, auch das Kind hat dir zuliebe auf den „günstigeren“ Zeitpunkt gewartet, denn vorgesehen war die Sauberkeit von Anfang an.  nach oben

Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, das zu tun, von dem die Leute behaupten, man könne es nicht.   (Walter Bagehot)

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Wie reagiere ich, wenn „das Malheur schon passiert ist“?

In jedem Fall gelassen. Du übst Sätze ein, die du brauchen wirst:

„Ach so.“

„Da habe ich wohl etwas übersehen.“

„Da habe ich wohl etwas verpasst.“

Bedenke, dass das Baby oder Kleinkind experimentieren will. Übrigens naturgemäß lieber zu Hause als woanders, was dir die Sache erheblich erleichtert. Die sichere Umgebung: hier darf es was ausprobieren.

Vielleicht prüfst du nochmal, ob du ganz bei dir bist, und ansonsten denkst du dir nicht viel dabei, wenn mal was daneben geht. Wer ein Wickelkind hat, der kann bestätigen, dass mit Windeln auch so einiges daneben geht, auf die unterschiedlichste Art …, es gibt auch was aufzuwischen und wer muss sich nicht alles umziehen! Mir kommt es vor, als wäre die „Anzahl der Fälle“, in denen etwas „schiefging“ annähernd dieselbe bei Windeln und windelfrei, doch bei windelfrei ist es schon nach wenigen Monaten endgültig abgehandelt, somit kommt es dir in kurzer Zeit nach mehr vor, als es ist. Im Nachhinein betrachtet sind es ein paar witzige Episoden, die mal eine nette Geschichte abgeben, mehr nicht. Lass dich von deinem Partner in Gelassenheit unterstützen, wenn das geht. Übrigens: bei den Pannen mit den Windeln gibt es keinen Lerneffekt für dein Kind. Nichts in Richtung Trockenwerden.

Vielleicht überwiegt manchmal die Angst vor wenigen „Pannen“ statt sich darauf zu freuen, dass sich sehr bald die großen Erfolge einstellen werden. Bedenke, Pannen gibt’s mit Windeln auch. Wer sowohl wickeln als auch windelfrei kennt, kann ein Lied singen vom Unterschied.    nach oben

Bei allem, was wir dem Kind beibringen, hindern wir es daran, es selbst zu erforschen und zu entdecken.   (Jean Piaget)

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Sitzt das Kind so lange auf dem Töpfchen, bis was kommt?

Niemals! Das Baby oder Kleinkind zeigt sein Bedürfnis an. (Kein anderer gibt ihm das vor.) Die Mutter oder andere tragen das Kind dann zum Örtchen und halten das Kleine ab. Sollte „nichts kommen“, so ist das vollkommen in Ordnung. Man täuscht sich auch mal, wenn auch selten. Es gibt erst bei erneutem Signal des Kindes einen neuen Versuch.

Die (autoritäre) „Sauberkeitserziehung“ von einst hat überhaupt nichts mit dem kindgerechten windelfrei zu tun.

Kind und Mutter (oder andere Person) sind gleichermaßen zufrieden, wenn das Kind sich erleichtert hat, jeder aus einem anderen Grund. Es kommt so ein Hochgefühl auf, eine Art „Gewinnerstimmung“. Außenstehende konnten deutlich sehen: „Mutter und Kind verstehen sich eindeutig.“   nach oben

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Wenn das andere sehen, was sagen die zu mir?

Ich selbst habe nur positive Rückmeldungen bekommen!

  • Du erntest Begeisterung, Erstaunen, Nachfrage, Neugier.
  • Du kannst darauf antworten, kurz oder ausführlich, wie es dir beliebt, doch du teilst dein Wissen schon durch dein Tun mit anderen.
  • Wir lernen durch sehen, in diesem Fall ganz besonders.
  • Rückmeldungen wie „noch nie davon gehört, hätte ich auch sofort gemacht“ und „habe mich nicht getraut“ sind mir begegnet, du triffst wahrscheinlich schon auf Gleichgesinnte: „Hey, das mach ich doch auch!“ 😉    nach oben

Die Erziehung von Kindern ist eine kreative Aufgabe, doch sie ist eher eine Kunst als eine Wissenschaft!    (Bruno Bettelheim)

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Themen, die ich in meinen Vorträgen oder Beratungen anspreche

  • Signale Deines Kindes – das eingespielte Team
  • das Baby auf der Toilette
  • Vorteile für dich und das Kind
  • Gut für die Umwelt
  • der Alltag ohne Windeln
  • wieviel Zeit bleibt dir auf dem Weg zur Toilette
  • die Phase des Trockenwerdens wie wir sie bisher verstanden haben – was hat die Natur da vor?
  • wie wird das Kind die Windeln wieder los? Mit Feingefühl.
  • die anstrengende Autonomiephase (früher „Trotzphase“) fällt milder oder ganz aus ohne Windeln   nach oben